Reute
gk

Zusammenlegung von Watt und Sonnenschein wird intensiv geprüft

Am 12. November fand die traditionelle Herbst-Orientierungsversammlung zum Voranschlag 2019 statt. Dass diese recht gut besucht war, ging aber eher auf die angekündigten Zusatzinformationen zur Zukunft des Alters- und Pflegeheims Watt zurück.

Im ersten Teil des Abends stellte Gemeindepräsident Ernst Pletscher den Voranschlag 2019 vor. Der Voranschlag der Erfolgsrechnung geht bei einem Aufwand von 4‘735‘000 Franken und einem Ertrag von 4‘589‘650 Franken von einem Aufwandüberschuss von 145‘350 Franken aus und basiert auf einem unveränderten Steuerfuss von 3,9 Einheiten. Das Eigenkapital der Gemeinde Reute hat derzeit eine Höhe von rund 2,2 Mio. Franken. Das Defizit 2019 kann somit problemlos getragen werden, wie auch die Aufwandüberschüsse gemäss Finanzplan der kommenden Jahre. Nach Jahren mit grossen Aufwendungen für die Infrastruktur und dementsprechender Zunahme der Verschuldung, sind im Investitionsplan der Jahre 2021 und 2022 keine Investitionen vorgesehen.

Das Hauptinteresse der Besucherinnen und Besucher lag jedoch nicht beim Voranschlag, sondern bei den Infos zur geplanten Zusammenarbeit der Pflegheime Watt und Sonnenschein. Gemeindepräsident Ernst Pletscher, Gemeinderätin Karin Waltenspühl sowie Heimleiter Watt Köbi Egli, und die externe Fachberaterin Claudia Fichtner erläuterten den Stand der geplanten Zusammenarbeit des Gemeindealters- und Pflegeheims Watt und dem Pflegeheim Sonnenschein der Tertianum-Gruppe.

Die Liegenschaft Watt wurde 1857 von der Gemeinde erworben und für die Nutzung als Armenhaus umgebaut. Heute ist das «Watt» ein Pflegeheim und bietet 17 pflegebedürftigen Personen ein Zuhause und erfüllt alle Vorgaben des Kantons bis zur höchsten Pflegestufe 12. Es ist Arbeitgeberin von 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und bietet sechs Ausbildungsplätze, wovon derzeit vier besetzt sind. Die Umgestaltung vom Altersheim zum Pflegeheim hatte grosse bauliche und personelle Konsequenzen. In den Jahren 2016 und 2017 fielen durch Umstrukturierungen ausserordentliche Kosten an. Trotzdem zeigen die Voranschläge 2018 und 2019, dass um auch nur kostendeckend arbeiten zu können, eine Auslastung von über 90% und eine durchschnittliche Pflegestufe von 5,5 notwendig sind. Wenn das «Watt» in der bisherigen Art weitergeführt wird, muss durchschnittlich mit einem jährlichen Defizit von rund 50‘000 Franken gerechnet werden, welches über den allgemeinen Haushalt getragen werden muss.

Die Tertianum Gruppe führt in 16 Kantonen 76 Institutionen für das Leben im Alter, darunter auch das Heim Sonnenschein in Mohren mit 28 Plätzen. Auch dieser Betrieb liegt bezüglich Grösse am unteren Rand des wirtschaftlich tragbaren. Die Tertianum Gruppe und der Gemeinderat Reute haben sind in der letzten Zeit intensiv Gedanken über eine Zusammenarbeit gemacht. Es zeigte sich dabei, dass Synergien über zwei Organisationseinheiten mit unterschiedlichen Betreibern und unterschiedlichen betrieblichen Philosophien administrativ und organisatorisch schwierig zu erreichen sind. Erfolgversprechender ist der Betrieb beider Heime durch die gleiche Einheit. Dies wäre möglich, wenn die Gemeinde den Betrieb des «Watt» an die Tertianum Gruppe übertragen würde oder aber, dass die Gemeinde Reute den Betrieb des Heims Sonnenschein übernimmt. Die Tertianum Gruppe wäre grundsätzlich bereit, das «Watt» für die Gemeinde zu führen. Für den Gemeinderat steht diese Option jedoch nicht im Vordergrund.

Der Gemeinderat führt derzeit mit der Tertianum Gruppe Verhandlungen, wie und unter welchen Bedingungen eine Übernahme des Heims Sonnenschein möglich wäre. Sofern die Verhandlungen positiv abgeschlossen werden können, hat sich der Gemeinderat für eine Totalrevision des Altersheim-Reglements entschieden. Hauptsächlich würde das neue Reglement beide Pflegeheime als Gemeindebetriebe aufführen. Ausserdem würden verschiedene administrative Anpassungen nötig. Da es sich nicht nur um die Änderung eines Reglements, sondern um den Grundsatzentscheid handelt, das Heim Sonnenschein zu übernehmen, wird der Gemeinderat die Totalrevision freiwillig der Urnenabstimmung unterstellen. Vorgesehen ist eine Abstimmung im Frühjahr 2019.